Wenn eine Alte tanzt, wirbelt sie viel Staub auf (Sprichwort aus Mettland)
- erstellt von Rüdiger
3. Herren 

Wir wollten mit zwei Heimsiegen die Meisterschaft vorzeitig klarmachen am vergangenen Samstag, wir wollten aus diesem Anlass ein Spitzenbuffet auf die Turnmatte zaubern, wir wollten mit fielen Fans frenetisch feiern, wollten mit unserer laaaaangjährigen Erfahrung souverän aufspielen.

Vor allem aber wollten wir einen märchenhaften Volleyballtag in die Hans-Christian-Andersen-Sporthalle zaubern, die uns erstmalig als Austragungsort zugeteilt wurde.

Was wir freilich nicht wussten ist, dass der große dänische Dichter ("Der SchMETTerling") nicht nur Namensstifter dieser Schule ist, sondern offensichtlich auch die letzte dort arbeitend gesehene Reinigungskraft. Die Hallenluft konnte man mit der Kettensäge schneiden und auf dem staubbedeckten Boden hätte ebenso ein Wettkampf im Eiskunstlaufen ausgetragen werden können - glatt genug war er allemal.

Auch erinnert die Deckenhöhe den gebeugten Sportler an die Hauptwerke des Schriftstellers: Däumelinchen, Der kleine Tuk, Ib und die kleine Christine, um nur einige zu nennen.

Es fiel schon kaum noch ins Gewicht, dass die Deckenbeleuchtung immer wieder inmitten heiß umkämpfter Ballwechsel ausging und man im Dunkel die beiden nach oben gerichteten Daumen des Schiedsgerichts erahnen musste, ehe ein technisch versierter Spieler die nächste, in ihrer Länge nicht vorher abzuschätzende, Beleuchtungsphase durch Druck auf die Schalterposition "Ein" aktivierte.

Allen Widrigkeiten zum Trotz konzentrierten wir uns einzig auf die am frühen Morgen vom Lizenztrainer per Audiobotschaft ausgegebenen Ziele für den Spieltag: Meisterschaft, Buffet, Feiern! Mit Wilster wartete ein nicht einfach einzuschätzender Gegner auf uns: Verbandsliga-Absteiger, Sieg gegen Flensburg, knappe Niederlagen gegen starke Heider und Busdorfer, zuletzt aber mit einem knappen Sieg gegen Pönitz und einer Niederlage gegen Preetz im selbst bestiegenen "Leistungsfahrstuhl". Das Hinspiel konnten wir klar mit 3:0 für uns entscheiden und so haben wir im ersten Spiel dieses Tages wieder 3 Punkte anvisiert.

Der Start gelang beiden Mannschaften ähnlich gut, so dass sich bis zum Stand von 17:19 ein ausgeglichenes Spiel mit leichten Vorteilen für unsere Gegner entwickelte, ehe Jens mit einer sagenhaften 6-Punkte-Angabenserie den Grundstein für den Satzgewinn mit 25:19 Punkten gelegt hat.

TuS H/M 3 - MTV Wilster 1:0

Mit dem Seitenwechsel sind wir in den weiter oben beschriebenen Leistungsfahrstuhl eingestiegen und haben den Knopf "K" für Keller gedrückt. Über 5:9, 8:12 und 10:20 sind wir dem Satzverlust ungebremst entgegengestürzt. Nur das Auslösen der Fangbremse hat uns vor dem Zerschellen am Boden bewahrt, der Satz ging mit 16:25 trotzdem überdeutlich verloren.

TuS H/M 3 - MTV Wilster 1:1

Im folgenden dritten Satz lief es zunächst gut für uns. Von Beginn an konnten wir einen leichten Vorteil für uns herausarbeiten und diesen zu zwei, drei, vier und fünf Punkten Vorsprung umsetzen, ehe die Wilsteraner das Blatt beim Stand von 15:10 zu ihren Gunsten wendeten und mit 17:15 in Führung gingen. Diesem Rückstand sind wir lange hinterhergelaufen, konnten uns dann aber von 18:22 noch einmal zum Ausgleich bei 22:22 Punkten heranarbeiten. Statt diese Aufholjagd mit dem Satzbeginn zu belohnen, verspielten wir die folgenden 3 Punkte und mussten uns mit 22:25 erneut geschlagen geben.

TuS H/M 3 - MTV Wilster 1:2

Nun standen wir also mit dem Rücken zur Wand und es war klar, dass wir statt der erhofften drei nur noch maximal 2 Punkte aus dieser Partie würden mitnehmen können. Trotzdem hieß es jetzt mehr denn je Gas geben, um unser Saisonziel nicht zu gefährden. Wir suchten die "5", wie Tie-Break, auf der Schalttafel des Leistungsfahrstuhls und schon ging es mit Raketengeschwindigkeit wieder nach oben. Über 11:1, 18:8 und 21:10 rasten wir dem Satzgewinn entgegen und konnten mit dem Nachbrenner sogar noch weitere 4 Punkte Abstand herstellen und den Satz mit 25:11 gewinnen.

TuS H/M 3 - MTV Wilster 2:2

Jetzt lag er also vor uns: der erste Tie-Break der Saison. Als Schiedsgericht haben wir den Entscheidungssatz Spieltag für Spieltag trainieren müssen, als Spieler kannten wir nur "drei Punkte oder Nichts". Der Gegner beginnt mit einem Fehlaufschlag und wir können über 2:0, 6:1, 10:5 zu einem niemals gefährdeten 15:9 Endstand durchmarschieren.

TuS H/M 3 - MTV Wilster 3:2

Die Nachricht vom Sieg wurde in den sozialen Medien vom Lizenztrainer mit Erleichterung und einer knappen Gratulation quittiert.

Nach kurzem Durchatmen und einem beherzten Griff in das weltbeste Buffet der Landesliga bereiteten wir uns auf das vermeintlich leichtere Spiel des Tages vor. Nach kürzeren und auch längeren Rechenexperimenten stellte einer nach dem anderen fest, dass wir mit einem Drei-Punkte-Sieg die Meisterschaft weiterhin vorzeitig für uns entscheiden konnten.

Aber irgendwas müssen die Lübecker Jungens sich an diesem Samstagmorgen aufs Marzipanbrot geschmiert haben: es kam ganz anders.

Eigentlich wiederholten sich die Dinge. Nur ein bisschen umgekehrt. Wir verloren den ersten Satz, wenn auch knapp mit 23:25

TuS H/M 3 - TGR 0:1

Die Sätze zwei und drei können wir dann für uns entscheiden. Niemand weiß im Moment, wie genau, denn der Spielbericht ist irgendwo in den Tiefen der Wilstermarsch vergraben und Schrammi hatte zur Erhöhung der Spannung die Berichterstattung im Liveticker zwischenzeitlich eingestellt.

TuS H/M 3 - TGR 2:1

Im vierten Satz hatten wir dann das Tagesziel klar vor Augen: Mettschball beim Stand von 24:23. Es kam jedoch - anders. Nach einigem Hin und Her ging der Satz heißest umkämpft mit 26:28 verloren.

TuS H/M 3 - TGR 2:2

Also erneut Tie-Break. Schrammi tickerte wieder, deshalb wenigstens ein paar Details. Wir gerieten zunächst in Rückstand. 2:5 - im Entscheidungssatz durchaus schon bedrohlich. Bei 7:8 wechselten wir die Seiten und bei 11:10 konnten wir erstmals in Führung gehen. Lübeck machte noch einen Punkt und dann war Abfaaahrt zum entscheidenden Satzgewinn mit 15:11 Punkten.

TuS H/M 3 - TGR 3:2

Man kann es wohl so zusammenfassen, wie Carl Spitteler es einst in seinem Standardwerk zur Trainingslehre im Volleyball beschrieb:

Je nun, es ist im Menschenvolk einmal so Brauch,
Vor irgendwem im Staub zu liegen auf dem Bauch.

Wir erinnern uns an einen Spieltag mit viel Spaß, spannendem Volleyball, Spielanteilen für alle 11 Aktiven, 2 Heimsiegen und neben unseren 2 obligatorischen Kisten Aberglaubebier einer dritten Zuschauerkiste, die nicht gebraucht wurde.

Sollte der Lizenztrainer bis hierher gelesen haben: nach dem verdienten Urlaub gilt es, die absolut unentschuldbare, katastrophale, durch nichts zu erklärende Eigenfehlerquote zu bekämpfen. Die überhohe Anzahl an Eigenfehlern hat uns zweimal an den Rand einer Niederlage gebracht und uns den Triumph der sicheren Meisterschaft gekostet.

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