Bad boys, bad boys whatcha gonna do? Whatcha gonna do when they come for you?
- erstellt von Rüdiger
3. Herren 

Ich schreibe diese Zeilen nach dem Handballspiel Deutschland gegen Spanien. Einige Passagen werden deshalb nicht den Optimismus versprühen, der nach dem eigentlichen Spielverlauf angemessen wäre. Ich bitte die geneigten Leser, die Kalibrierung anhand der Erinnerung selbst vorzunehmen.

Als ich gegen 13 Uhr so um halb zwei und halb erfroren in das Volleyballtaxi zustieg, lag die Aussicht auf einen besonderen Spieltag vor uns. Met gegen Mett stand auf dem Spielplan, Wikingerhorde gegen Stadtmenschen, selbsternannte Pokalvorrundenfastgewinner gegen Pokalverweigerer, Aufholjäger gegen Tabellenführer.

Mir war kalt. Der Gegner heiß wie das oft zitierte Fettenfritt. In den sozialen Medien wurde gestreut, dass man an der Schlei nach nichts anderem als der Tabellenspitze strebe.

Im Autoradio lief Kuschelrock, als wir im Mannschaftspassat mit Massagesitzen auf allen Plätzen die A7 hoch vibrierten. Dann die schockierende Nachricht, die alles verändern sollte: Paul Bocuse war gestorben! Warum ausgerechnet Er, der Grandseigneur des Gehackten, Maitre des Mettigels, langjähriger Mannschaftskoch des TuS H/M? Ein Schock, von dem sich die gesamte Abteilung an diesem Tag nicht mehr erholen sollte. Paralysiert von den Ereignissen haben wir unseren Weg nach Schleswig dennoch tapfer fortgesetzt.

Dort wurde uns ein frostiger Empfang bereitet: die Sporthalle war ziemlich unterkühlt, während die Schwarzwälder Kirschtorte an der Sportsbar im Vorraum schwitzte. Wir hätten es ahnen müssen: "Am Eisteich" ist nicht die Copacabana!

Umso wärmer wurde uns allerdings ums Herz, als Christian "Kiste" D. uns in Anspielung auf den Vorbericht eine Flasche Met überreichte. Sänk ju very Mettsch dafür noch einmal an dieser Stelle!

Am Vortag fehlten beim Durchzählen im Adlerhorst 2 Eier, so dass Mama Adler die verbleibenden Küken schon abmelden wollte. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass sie dann doch in Mannschaftsstärke eingeflogen sind!

Immer noch frierend setzte ich mich an den Schreibertisch, denn heute Nachmittag waren wir nicht nur Sportler, sondern auch Crashtest Dummys für "SAMS Score". Aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen wurde unsere Spielklasse für den Pilotbetrieb des Digitalen Spielberichtsbogen auserwählt, der den bisher verwendeten Lottoschein XXXL ablösen soll. (an dieser Stelle verleihen wir Adlerküken, hihi, Kai eine Mettaille für die selbstlose Bereitstellung der technischen Infrastruktur)

Wir sahen ein zunächst ausgeglichenes Spiel, das Busdorf jedoch trotzdem nie aus der Hand gegeben hat und klar mit 3:0 für sich entscheiden konnte. Schnell war aber auch klar, dass aus dem voll besetzten Kader der Busdorfer nicht die erste Garde auf die Platte geschickt wurde.

Nun konnte es also losgehen. DJ Flo heizte den 35 Zuschauern mit Rhythmen ein, die nicht immer als Musik zu erkennen waren. Wir heizten unseren Körpern mit orchestrierter Bewegung ein und hätte noch jemand der Hallenluft eingeheizt, hätte ich sogar warm werden können.

Bereits beim Einspielen zeichnete sich ab, dass Busdorf 2018 wenig mit dem Busdorf 2017 gemein hat, das wir im Hinspiel in eigener Halle klar besiegen konnten. Leider zeichnete sich nach dem Einspielen ab, dass der TuS H/M 2018 noch weniger mit dem TuS H/M 2017 gemein hat, der die ersten 10 Spiele der Saison mit sagenhaften 30:0 Punkten für sich entscheiden konnte.

12:1, 17:2, 18:5 - das sind eigentlich Ergebnisse, wie wir sie nur von der Handballnationalmannschaft kennen. Während wir vermutlich mehr Punkte gemacht hätten, hätten wir das Feld gar nicht betreten, spielten sich die Busdorfer in einen regelrechten Rausch. Das Satzergebnis 25:10 spricht eine deutliche Sprache.

Die Eishausherren nahmen den Schwung mit in den zweiten Satz. 8:2, 10:4, wieder sah es nach einem deutlichen Vorsprung aus, dem wir hinterherlaufen mussten. Irgendwie muss uns in dieser Phase dann doch warm geworden sein, denn wir konnten bei 15:15 ausgleichen und mit 18:17 erstmals in Führung gehen. So ging es hin und her, bis sich der Satz beim Stand von 23:23 einem umkämpften Finale näherte. Leider wieder mit dem besseren Ende für die Busdofer Jungs, die mit 25:23 und 2:0 Sätzen in Führung gehen konnten.

Auch im nächsten Satz hatten wir Schwierigkeiten, Fuß auf dem Hallenboden zu fassen. Nach einem auf beiden Seiten holprigen Start gerieten wir durch eine Serie von Top-Spin-Aufschlägen von 7:5 auf 13:5 in Rückstand. Dass es danach wieder recht gleichförmig hin und her ging, die Aufschlagspieler je einen, maximal 2 Aufschläge durchbrachten, tröstet niemanden. Der große Vorsprung reichte am Ende zu einem überdeutlichen 25:16 und 3:0.

Der Mettigel war verspeist. Glückwunsch zu diesem starken Auftritt!

Wir bedauern es sehr, dass dies bereits das Rückspiel gewesen ist, denn eigentlich würden wir uns jetzt gerne auf das Rückspiel freuen. Es war nett bei Euch!

Sad boys, sad boys whatcha gonna do? Whatcha gonna do when they come for you?

Und der Rest der Abteilung? Die zweite Mannschaft verliert beide Heimspiele und die erste Mannschaft kehrte in der Regionalliga ebenfalls mit einerm 0:3 im Gebäck aus Norderstedt zurück. Ruhe in Frieden, Paul Bocuse, wir werden Dich nie veressen!