Alter Schwede
- erstellt von Rüdiger
3. Herren 

Im Partybus auf dem Weg nach Heide, im Autoradio lief Kettcar mit “Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern”, erreichte uns die traurige Nachricht, dass der alte schwedische Philosoph und Aufklärer Innensechs Kant den Inbusschlüssel abgegeben hatte. Nach dem Tod von Paul Bocuse in der Vorwoche sollte also wieder ein schrecklicher Verlust unseren Spieltag begleiten. Ausgerechnet der Mann, der das Mettbällchen in Schweden salonfähig gemacht hat, dessen Möbel das konservative Volleyballdeutschland vom Gelsenkirchener Barock befreit haben, der ganz Deutschland und die halbe Welt mit dunkelblauen Sporthallen zugepflastert hat. Spätestens in diesem Moment ist uns klar gewesen, dass wir an einem solchen Tag nicht einfach zur Spieltagesordnung übergehen können.

Schon von Weitem sahen wir die schwedische Flagge, die vor der Heider IKEA-Filiale auf Halbmast wehte. Immer noch ergriffen von der Meldung aus Småland erklärten wir uns bereit, einen IKEAthlon statt des Volleyballspiels zu absolvieren.

Die erste Disziplin: BILLY. Wir legten einen guten Start hin und lagen beim Auspacken des Pakets knapp vorne. Doch schon beim Zurechtlegen der Einzelteile mussten wir einen knappen Rückstand hinnehmen. Die erfahrenen Heider Heimwerker konnten beim Einschlagen der Holzdübel einen leichten Vorsprung herausarbeiten, der ihnen nach der Fertigstellung des Korpus das Einstecken von 5 Nupsis ermöglichte, bevor auch wir endlich alle 8 Schlösser fest verriegelt hatten. Beim Einschieben der Rückwand zeigten unsere Gegner erstmals Nerven, so dass wir - obwohl mit 5 Nägeln im Rückstand - den Sieg in der ersten Disziplin noch nicht aufgeben mussten. Und tatsächlich: während wir geduldig Nagel für Nagel einschlugen, rutschte der Heider Hammer immer wieder ab, wurden Nägel krumm geschlagen oder haben gar die empfindliche Außenhaut der Regalseitenwände verletzt. Beim Stand von 24 zu 24 versenkten Nägeln schien alles möglich, doch ein Nail-in-one vom Hinterfeld-Hammer brachte das Side-Out für die Holsteiner. Als wir dann noch in jugendlichem Leichtsinn die Umkippsicherung achtlos im verschweißten Beutel beließen während das fertige Regal jenseits des Netzes vorschriftsmäßig an die Wand gedübelt wurde, war die knappe Entscheidung gefallen: Satz 1 ging mit 26:24 an die Heimmannschaft.

Wir waren von dieser Niederlage zweifelsohne enttäuscht, unser Optimismus jedoch keinesfalls gebrochen. Der Verlust einer Teildistanz wäre zu verschmerzen, wenn wir am Ende als Erste durch die Expresskasse laufen und ein Hot Dog im Schwedenshop bestellen würden.

Jetzt hieß es, eine gute Zeit in der Wechselzone zwischen BILLY und POÄNG hinzulegen! Im Augenwinkel konnten wir noch wahrnehmen, dass unsere Gegner die neuen Werkzeuge einen Lidschlag schneller aufnehmen konnten und die Seitenteile bereit lagen, während wir noch mit der Umverpackung aus Regal 22, Fach 03 kämpften. Schon bald konnten wir jedoch aus dem Windschatten ausscheren und unsere Stärken im Umgang mit Gewindeschrauben und schichtverleimten Furnier ausspielen. Bei Streckenmitte lagen wir mit der Montage des Sesselgestells klar vorne, mussten unsere Gegner jedoch im zweiten Montageabschnitt noch einmal an uns vorbeiziehen lassen. Als die Heider Sesselhocker beim Stand von 23:23 eine Arbeitspause anordneten, ging uns die Konzentration verloren und wir klebten das Klettband schief auf die Rückenlehne, so dass wir im Zieleinlauf bei der Befestigung des Polsters strauchelten. Ebenso knapp, wenn nicht knapper, verloren wir Satz 2 mit 27:25 an die Westküste.

Damit war klar: für einen Sieg mussten wir nun über die volle Distanz gehen. MALM lag vor uns und nur ein Erfolg konnte uns weiter zu KALLAX und dem womöglich alles entscheidenden Köttbullar-Wettessen bringen, um hier nach Geschäftsschluss trotzdem noch siegreich und zufrieden nach Hause kehren zu können.

Aus dem Training wussten wir, dass MALM nach 2 absolvierten Disziplinen eine besondere Herausforderung darstellen würde. Neben “Holz”- kommen nun auch scharfkantige Metallteile in den Wettbewerb und auf einigen Teilstrecken muss mit Spezialwerkzeug hantiert werden, dessen Beherrschung auch erfahrenen Athleten immer wieder schwerfällt. Wieder liefen wir den Hausherren im heidnischen Schlafzimmer zunächst hinterher und mussten mit deutlichem Rückstand zusehen, wie bereits der Mittelsteg eingesetzt wurde, während wir noch, Schraube für Schraube, die seitliche Aufnahme für den Lattenrost fixierten. Trotzdem: ein letztes Aufbäumen gegen die drohende Niederlage. Wir ließen sogar den kleinen Sammy aus dem Småland abholen, um hier ein letztes Pfund in die Waagschale zu werfen. Dieser Plan ging auf, wir kämpften uns kurz vor Ende noch einmal auf nur eine Schraube Rückstand heran, hatten die Rettung in den nächsten Wettbewerb bereits vor Augen. Dann jedoch rutschte unser Einrichtungsberater das x-te Mal mit dem Einwegschraubenschlüssel ab und stieß einen lauten schwedischen Fluch aus, woraufhin er vom Unparteiischen mit der IKEA-Family-Karte verwarnt wurde. Beflügelt von der Aussicht auf den Sieg, mussten die Dithmarscher nun nur noch ihre SULTAN Matratzen ausrollen, um sich den süßen Träumen dieses Sieges hinzugeben. Mit 25:23 konnten sie diesen (leider) letzen Satz und damit den IKEAthlon scheinbar deutlich mit 3:0 gewinnen.